Was für Morde? Was für IKEA-Morde?

“Jaja, Lügenpresse, genau.” Dieses ist eine typische Reaktion linksliberaler Deutscher auf Hinweise, dass die Leitmedien manchmal womöglich ein nicht ganz vollständiges Bild des Themenkomplexes Migration zeichnen. Das Ziel: Auseinandersetzung insbesondere mit der eigenen Haltung vermeiden. Die Logik dahinter ist banal: wer die Aufrichtigkeit der Presse in Zweifel zieht, tut das, was auf Pegida und ihre Artverwandten tun und ist folglich einer der ihren. Unabhängig, was man nebenher noch so denkt. Wie denkfaul, wie unfair. Political Correctness ist auch so ein Begriff der nicht gerne gehört wird, denn er ist durch Gebrauch durch sittlich nicht ganz sattelfeste Zeitgenossen mit “starker” politischer Einstellung unlängst zum wichtigen Indiz zu deren Entlarvung geworden. Nun ist es aber so, dass genau diese, ich möchte es mal Tabus nennen, im Folgenden eine entscheidende Rolle spielen.

Zur Info: am 10. August 2015 erststach in einem IKEA-Möbelhaus in Schweden ein Asylant aus Eritrea zwei Schwedische Bürger – eine 55 jährige Frau und ihren 28 jährigen Sohn. Wahllos. Der Asylant stand kurz vor der Ausweisung nach Italien, da er dort registriert ist und nach dem Dublin-Abkommen dort auch für die Dauer seines Asyls eine Bleibe haben soll. Wohlgemerkt: er stand nicht vor der Abschiebung nach Eritrea, nur nach Italien.

Ich nahm von den Geschehnissen recht unmittelbar Notiz, da ich mich zu der Zeit zwar nicht in Schweden, zumindest aber in Island befand, wo die Nachricht im Radio entsprechend Verbreitung fand. Insbesondere deswegen, weil anfänglich noch der Verdacht eines noch anhaltenden Terroranschlages im Raume stand. Da ich des Isländischen aber nur sehr begrenzt mächtig bin, nämlich dort wo es dem Schwedischen ähnelt, von dem ich leider wiederum auch nur begrenzte Kenntnisse habe, versuchte ich am Abend mehr über deutsche Medien mehr zu erfahren. Umso größer meine Verblüffung, dass ich auf dem Online-Leitmedium “Spiegel Online” nicht fündig wurde. Keine Eilmeldung – ok, aber nicht mal eine Headline? Garnichts. Naja, dachte ich mir, die wollen erst mal alle Infos beisammen haben. Schließlich wusste man selbst in Schweden auch noch nicht so genau, was eigentlich geschehen war. Beim googeln stellte ich aber fest, dass es an Meldungen keinen Mangel gab. Allerdings auf den Seiten von Nazis und solchen, die auf dem besten Weg dahin sind.

Tage später, als ich immer noch nichts auf SPON lesen konnte, bemühte ich die Suchfunktion auf der Seite, weil ich es einfach nicht glauben konnte. Und siehe da: es wurde tatsächlich am 10.08. etwas veröffentlicht! Unter “Panorama” ohne Erwähnung auf der Startseite. Nun kann die Spiegel-Redaktion  sagen, sie hätten sehr wohl informiert, ich nenne das eine Nachricht vergraben. Schade dass ich keinen Screenshot gemacht habe, denn die anderen Artikel auf der Startseite waren nicht durchweg so von Relevanz durchtränkt, als dass die Geschehnisse bei IKEA hätten ausstechen können. Während in Deutschland also im Grunde keiner weiß, was die Begriffe IKEA, Messer und Eritrea verbindet, so werden uns die Begriffe Österreich, Syrer und LKW noch lange einen Schauer über den Rücken jagen.

Ich halte diese Geschehnisse in Schweden für relevant für die Bewertung der aktuellen Flüchtlingskrise. Massenflucht ist kein Ponyhof, nicht für die Flüchtenden und nicht für die Gastgeber (q.e.d.). Und das kann auch jeder wissen. Welche Schlüsse ein jeder daraus zieht ist jedem selbst überlassen. Und vor allem möchte ich ehrlich und vollständig informiert werden und nicht gezwungen sein, mir Naziseiten ansehen zu müssen, um einen Eindruck von der Realität zu bekommen. Diese Art der Patronisierung eines wohlmeinenden Establishments lehne ich ab. Es muss alles auf den Tisch, alles was relevant ist. Ich will alles wissen, was zu Migration von Bedeutung ist. Und dazu gehören auch Kosten, Kriminalitätsraten, und Exzesse.

In Schweden hat sich mittlerweile so etwas wie eine Medienkrise aus der Sache entwickelt. Scheinbar hat man es mit dem Versuch der politisch erwünschten Einordnung des Vorfalles ein bisschen übertrieben, so dass auch nicht zu überschnellen Urteilen zu Migration und zu Verschwörungstheorien neigende Bürger gemerkt haben, dass es gesellschaftliche Fehlentwicklungen gibt, die offenbar nicht unter Hinzuziehung aller Fakten diskutiert werden sollen. Profitieren werden davon letztlich die wohl ziemlich rechtsradikalen Schwedendemokraten, deren Umfragewerte Rekorde verzeichnen. Scheinbar glauben immer weniger Schweden an eine Reform des bürgerlichen Systems von innen heraus.

Und DAS ist ein Problem.

Bis heute gibt es zu den IKEA-Morden zwei Artikel auf Spiegel-Online. Eine vom 10.08. und eine vom 13.08. Mehr hat SPON darüber nicht zu berichten.

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