Böhmermann vs. Erdogan – Versuch einer Eskalation

Dass der türkische Präsident den deutschen Botschafter einbestellt und die Löschung eines Videos fordert, weil sich in Deutschland ein Satiremagazin seine Amtsführung lustig macht, ist insofern überaus anmaßend, weil er ja weiß, dass seine Autorität über Grundrechte an der türkischen Staatsgrenze endet. Daher ist die Einbestellung des deutschen Botschafters nicht nur sinnlos, sondern auch übergriffig. Wenn ein türkischer Sultan Autorität über die Grundrechte der Mitteleuropäer ausüben will, dann soll er sie erobern. Mal sehen, ob er dieses mal weiter kommt als Wien.

Das kann eine Bundeskanzlerin natürlich so nicht sagen. Insofern ist das überaus pragmatische Verhalten der Merkel-Regierung kein großes Aufhebens von der Sache zu machen nicht überraschen weil – pragmatisch eben. Erfreulich, dass es einen gibt, der Erdogan gibt was des Erdogan ist: Jan Böhmermann. Ein Schmähgedicht, in dem es pimmelt und ziegenfickt dass es bumst. Und damit Deutschland die Frage stellt (frei nach Bert Brecht): Was ist die Beleidigung eines Autokraten gegen die Paktiererei mit einem Autokraten?

Dass nämlich die Regierung den Grenzschutz Europas an die Türkei verkauft hat, müsste eigentlich Links wie Rechts auf die Barrikaden bringen. Links, weil die Türkei ein Dienstleister mit schlechtem Leumund in Sachen Menschenrechte ist, Rechts, weil man einem anmaßenden Silberrücken an der Grenze zur Persönlichkeittsstörung Geld hinterherschmeißt für einen Job, der eigentlich unserer ist. Die territoriale Souveränität Europas verantwortet nicht die Türkei, sie wird verantwortet von Frontex.

Doch in Deutschland regt sich nichts. Es scheint der trügerische Friede des guten alten Zeit des Dublin-Verfahrens wieder hergestellt. Die Ausländer bleiben draußen, unsere Hände waschen wir in Unschuld und die Türken machen wie schon häufiger in unserer Geschichte die Drecksarbeit. Besser noch: dem Bio-Deutschen im Einfamilienhaus bleibt das Flüchtlingslager im Park vor der Haustür erspart und gleichzeitig kann man sich über den knüppelschwingenden Erdogan das Maul zerreißen. Und es wird klar: Merkel hat keine moralische Agenda. Sie will Ruhe im Karton. Und so kommt es auch. Wenn nur alle den Schnabel halten und den Erdogan in Frieden lassen würden…

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