Die deutsche Querfront “Böhmermann”

Fast ganz Deutschland steht geschlossen hinter Böhmermann:

  • 50 % finden, dass eine Beleidigung Satire/Kunst sei, sofern die Adressaten eine andere Meinung haben als man selbst.
  • 30 % finden es lustig, dass ein Türke öffentlich-rechtlich Ziegenficker genannnt wurde.
  • 10 % halten Erdogan für einen illegitimen Diktator der gegen sein Volk regiert und halten Beleidigen des Despoten für das mindeste, was man für die Türken tun kann.
  • 5 % finden das Gedicht ganz schön rassistisch.
  • 5 % sind beleidigt.

Die derzeitige Querfront für Böhmermann ist ein Missverständnis. Sie entspringt, wenn man die sozialen Medien studiert, entweder aus Unkenntnis des Gedichtes, Unkenntnis der Sendung in der es eingebettet war und/oder Unkenntnis des Werks Böhmermanns sowie erwächst sie aus der landestypischen und weit verbreiteten Infantilität.

Das Gedicht ist weder eine banale oder rassistisch motivierte Beschimpfung, noch die Auslotung der Grenzen der Satire, wie es häufig gesagt und geschrieben wird. Es ist die Paradoxe Intervention auf die absurde Übergriffigkeit des türkischen Sultans. Funktion: entweder es setzt aufgrund der maßlos übertrieben Beleidigung beim Adressaten eine Erkenntnis ein oder er platzt: “Siehe her, selbst Ziegenficker können wir dich nennen und es kommt schlimmstenfalls zu einem langwierigen Gerichtsprozess mit ein paar tausend Euro Strafe. Das mag bei dir zu Hause anders sein aber hier machst du dich lächerlich. Das ist UNSERE Variante des Rechtsstaates.” Ein Angebot zum Dialog der Kulturen mit hohem Einsatz und hohem persönlichen Risiko. Dass es einen §103 gibt hatten Böhmermanns Berater scheinbar nicht auf dem Zettel.

Dass der Vorgang einen solchen Wirbel verursachen würde, hat Böhmermann möglicherweise nicht geahnt. Das nach wie vor ungeklärte Verhältnis der Deutschen zu Asyl und Einwanderung von hunterttausenden Orientalen gibt der Sache unterschwellig unheimlich Schwung. Letztlich ist Erdogan nur Ergebnis des Widerspruchs innerhalb der deutschen Bevölkerung einerseits mit dem Wunsch nach Begrenzung der Flüchtlingszahlen, andererseits nach der Erhaltung des Selbstbildes einer zutiefst humanen und moralisch überlegenen Nation. Nun ist @janboehm bis auf Weiteres untergetaucht. #toomuchforboehmi ? Was sein untrüblicher Instinkt für die pointierte Medienkritik hergibt, das lässt politisches Talent vermissen. So arbeitet er sich seit Jahr und Tag an PEGIDA, AfD und Co ab. Oberflächlich, ohne Substanz. Sein Rezept für das Zusammenleben von huntertausenden arabischen Flüchtlingen mit den westlichen Gastgebern erschöpft sich in “Können wir nicht alle einfach miteinander einfach auskommen?”

Niun ist es passiert und selbst der politische Gegner feiert ihn als Märtyrer westlicher Selbstbehauptung. Und selbst ich kann nicht verhehlen, das ich Sympathien hege. Schließlich scheiße auch ich auf seine Majestät Erdogan.

 

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