Trump-Wähler alle rechtsradikal?

(Unaufgeforderte) Antwort auf die bei Facebook gepostete Vermutung des Titanic-Autors Leo Fischer, dass jene Trump-Wähler, welche von Trump keine materielle Belohnung in Form von Jobs usw. erwarteten, Rassisten und Homophobe sein müssen.

Da ich es nicht beurteilen kann ob fast alle Trump-Wähler/innen Hass auf Minderheiten haben, denn ich habe dazu keine vernünftigen Daten vorliegen, möchte ich nicht, womit Leo Fischer scheinbar weniger Probleme hat, “meinen Eindruck”, den ich durch die sozialen Medien habe, zur Grundlage einer Lageanalyse machen. Dazu sind auf FB, Twitter & Co. die Freaks und Extremisten immer zu laut, zu schrill und zu auffällig. Und an dieser Kritik am Vorgehen des Autors möchte ich gleichzeitig meine Hoffnung knüpfen, dass er Unrecht hat.

Ein anderer Autor schrieb Interessanteres. Dass es den Trump-Wählern nicht auf eine Verbesserung Ihrer Situation ankäme, sondern ihnen der Ausdruck ihrer verschieden motivierten Unzufriedenheit mit dem Establishment ausreiche und dieses mit der Wahl von The Donald getan und erst mal erledigt sei.

Wer könnte diese Unzufriedenheit nicht verstehen, insbesondere in den USA? Wo eine wirksame Opposition nur innerhalb zweier gigantischer Parteiapparate gedeihen kann und ohne das massive Sponsoring durch die Wirtschaft an eine politische Karriere nicht zu denken ist. Dass für die Unzufriedenen aber ausgerechnet The Donald als Projektionsfläche in Frage kommt (charakterlich, ästhetisch, generell kopfmäßig) lässt aber leider doch wieder nur den Schluss zu, dass die meisten Leute einen an der Rübe haben und man eben diese “meisten Leute” an die Wahlurne bringen muss, um seine wie auch immer abwegige Meinung zur Politik zu machen.

Um die Unmündigkeit dieser Leute zur Mitbestimmung ihres und irgendwie auch unser aller Schicksals zu belegen braucht man gar nicht die vielen absurden und auf irrigem oder nicht vorhandenem Wissen aufbauenden politischen Visionen von Trump herzunehmen. Allein dass diesen Leuten das Bauchgefühl und die Menschenkenntnis fehlt, einem Mann ihr Land anzuvertrauen, dem man die klinische Diagnose zu einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung gar nicht zu stellen braucht um zu sehen, dass er am Geiste krank und dadurch verletzlich, denkbar ungeeignet für das Amt und zu alledem auch noch über alle Maßen unerträglich ist.

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Zeitumstellung ja, aber jeder für sich bitte

Die Frühaufsteher, welche sich schon immer und schon immer zu Unrecht schamlos als die fleißigeren inszenieren, haben sich durchgesetzt und lassen von höchster weltlicher Stelle im Frühling die Uhr einfach eine Stunde vorstellen. Für alle. Was für ein absurder Vorgang. Man würde denken, dass in einer aufgeklärten Gesellschaft sich die Zeit an astronomischen Konstellationen orientierte und Arbeitszeiten hingegen durch Arbeits-/Tarifverträge geregelt würden. Wir sind aber nicht aufgeklärt.

Ich fände es fairer, wenn in Arbeitsbereichen, in denen individuelle Arbeitszeiten (z.B. Gleitzeit) aufgrund der Art der Arbeit (z.B. Bandarbeit) nicht möglich sind, die Belegschaften über eine betriebsinterne Zeitumstellung abstimmen und alle anderen in Ruhe ließen.

Dann hätte auch dieses halbjährliche Hickhack ein Ende, an dem sich immer wieder alle möglichen Interessengruppen (Frühaufsteher, Langschläfer, Fabrikarbeiter, Freischaffende, Eltern, Taugenichtse, Arbeitsbienchen…) in ihren Anstrengungen überbieten, wer denn nun mehr Recht darauf hätte, die Zeit für alle zu ihrem eigenen Vorteil zu manipulieren.

Winterkorn saß am Steuer

Winterkorn hat von den manipulierten Motorensteuerungen gewusst. Er ist verantwortlich. Hier ein paar Thesen:

  • Die Manipulation ist innerhalb eines engen Zirkels und ohne Kenntnis des Vorstandes durchgesetzt worden. Ein finanzielles Risiko in Milliardenhöhe zu tragen ist nicht Aufgabe von Abteilungsleitern. Milliardenrisiken dürften so ziemlich oberhalb aller Gehaltsklassen liegen – außer der des Vorstandes. In einem Konzern, indem es klare hierarchische Strukturen gibt und man Verantwortung nach oben delegieren kann besteht gar keine Notwendigkeit, solche Risiken auf sich zu nehmen.
  • Die Höhe des Risikos wurde unterschätzt. Die Manipulation von Abgaswerten in betrügerischer Absicht birgt ein erhebliches Risiko, insbesondere in den klagefreudigen USA (q.e.d.), in denen neidische Konkurrenten (GM, Ford) sitzen. In jeder Firma ab einer gewissen Größe, insbesondere in denen mit sicherheitsrelevanten Systemen gearbeitet wird, gibt es Leute, die sich mit der Bewertung von Risiken, auch rechtlichen Risiken, beschäftigen. Insbesondere in technikbezogenen Sparten. Ohne irgendwelche Kenntnisse vom Aufbau des VW-Konzers zu besitzen kann man davon ausgehen, dass es solche Spezialisten bei VW gibt. Um dieses Risiko hätte man wissen müssen. Vielleicht nicht auf den Dollar genau beziffern können aber die Größenordnung müsste bekannt gewesen sein. Dass die Mitarbeiter das Risiko unterschätzten und deshalb die Information nicht bis zur Spitze vorgedrungen ist, würde ein Kategoerienfehler in der Risikobeurteilung voraussetzen. Unwahrscheinlich.

Also muss Winterkorn im Bilde gewesen sein. Doch warum nahm er das Risiko auf sich?

  1. Der Vorstand dachte, es würde nicht auffallen, wenn weltweit jedes Auto die Manipulation in sich trägt. Insbesondere da immer wieder von verschiedenen Stellen darauf hingewiesen worden ist, dass die realen Werte von Verbrauch und Schadstoffausstoß von jenen auf dem Papier abweichen. Es ist ja fast schon eine Binsenweisheit. Also eine Frage der Zeit, bis da jemand genauer hingucken würde.
  2. Der Vorstand ging aufgrund von Annahmen, die wir nicht kennen, davon aus, dass die Automobilindustrie damit durchkommen würde. Das ist die interessanteste Frage, die aber in Richtung Verschwörungstheorie geht. Insbesondere da es sich um eine weltweite Verschwörung handeln müsse.

Also entweder absoluter Blindflug von einem der wichtigsten Manager in Europa oder eine Verschwörungstheorie. Beide Möglichkeiten halte ich nach den mir vorliegenden Informationen für unwahrscheinlich. Aber gibt es noch andere Möglichkeiten?

Gerade lese ich, dass sich die Staatsanwaltschaft um Winterkorn kümmert. Es wird spannend!

 

1. Juli – Europäischer Unabhängigskeitstag

Der zu weit gehende Kompromiss, das Zugeständnis bis hin zur Beliebigkeit, bis zur Handlungsunfähigkeit – das ist die Europäische Union auch. Das ist ihre Herausforderung. Das Bemühen, jeden Staat, jede Volkswirtschaft zu integrieren, sei sie noch so wirtschaftsschwach, sei sie noch so korrupt, sei sie kulturell noch so anders gestrickt im Vergleich zu Kerneuropa ist ein Fehler. Privilegierte Partnerschaften gern, aber nicht eine gemeinsame Kasse.

Seit dem 1. Juli 2015 beginnt in Griechenland der Tag erstmalig seit Jahren ohne Zustupf durch die Nachbarn. Europa hat sich nach langem, viel zu langem krankheitserhaltenen Maßnahmen dazu entschlossen, den Geldhahn für die Griechen abzudrehen. Es reicht. Ein Ende mit Schrecken, und doch ein Triumph. Europa wird erwachsen und macht sich unabhängig. Bullshit hat Grenzen, das ist die Botschaft, die in Europa gehört werden wird.

Für die Folgen dieser “verschleppten Insolvenz” wird sich Angela Merkel noch politisch verantworten müssen. Den Euro wird es auch nach dem “Grexit” noch genauso geben sowie die EU an sich, doch die gigantischen Verluste auf Seiten der europäischen Steuerzahler in der EU einerseits bei gleichzeitiger Verwahrlosung der griechischen sozialen Infrastruktur andererseits sind die schlimmen Folgen des mutlosen Krisenmanagements der vergangenen Jahre – für das niemand so sehr steht wie unsere Bundeskanzlerin.

Wir brauchen ein Europa, dass sich der gemeinsamen Verantwortung für den Kontinent zwar bewusst ist, gleichzeitig aber wirtschaftlich ausdifferenziert sein darf. Eine Mitgliedschaft im Euro-Raum muss an Kriterien gekoppelt sein, die kontrolliert werden und es muss auch möglich sein, den Exit zu vollziehen, ohne dass der Euro insgesamt zusammenbricht. Die Situation, dass aus Finanzgründen in einen Staat so hereinregiert wird wie in Griechenland ist unerträglich, auch für jene, die hineinregieren, da sie die Ausgaben für den Schuldnerstaat rechtfertigen müssen, denn es gilt in dieser Größenordnung: kein Kredit ohne Einfluss.

Jedes Land soll genau so bleiben können, wie es ist. Aber wenn es aber in den Euro einziehen möchte, gelten Hausregeln. Wer diese nicht einhält oder meint, es ohne Euro besser zu haben geht. Keine Notwendigkeit für pathetische Deutungen oder überflüssige Nationalismen. Das ist ein Deal. Das ist Geschäft. So muss es werden.

 

“Schützen wir die Polizei, vor Verdruss und Schererei”

Überschrift nach Georg Kreisler.

Die Krawalle in Frakfurt a.M. anlässlich der feierlichen Eröffnung des neuen EZB-Gebäudes am 18.03.2015 riefen wieder die üblichen Äußerungen hervor, die man ja im Grunde schon genug gehört hat weil es im Grunde auch immer die gleichen sind.

Die Lamenti beginnen völlig unpolitisch mit dem Bedauern um die abgebrannten Einsatzwagen, welche ja letzlich der kleine Mann mit seinen Steuergeldern zu bezahlen hätte, meist noch vor dem Mitleid für die armen Polizeibeamten, von welchen dutzende zu Schaden gekommen sind. Weiter geht es mit “So erreicht Blockupy  gar nichts!”, bis es dann bei Verschwörungstheorien endet, dass die brenenden Einsatzwagen eine Black-Flag-Operation durch Provokateure des Verfassungsschutzes gewesen sei.

Ja, und auch Jakob Augstein ist zuverlässig zur Stelle, um die Gewalt der Demonstranten der Gewalt des Kapitalismus gegenüberzustellen. Zynischerweise auf SPON sekundiert durch eine Werbeanzeige der arbeitgeberfinanzierten Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Der goodold Kapitalismus integriert doch einfach alles und jeden.

Nein, Deutschland ist noch nicht weit genug “unten” für einen revolutionären Volkszorn. Im Gegenteil. Anders die Situation scheinbar in anderen Ländern, denn viele Demonstranten seien aus den europäischen Ausland angereist, wird im Nebensatz festgestellt – Griechenland, Spanien…

Scheinbar merkt der Unterdrückte im Kapitalismus, dass er unterdrückt wird erst dann, wenn er physisch hungert und sein Zahnarzt nur gegen Vorkasse bohrt. Der Unterdrücker, dass er unterdrückt, wenn ein Pflasterstein auf seiner Motorhaube landet.

Das kann ja eiter werden (Otto, 1973).