Auf den Anschlag folgt der Twitter-Terror

Kaum ist der LKW auf dem #Breitscheidplatz in Berlin zum Stehen gekommen, nachdem er zahlreiche Weihnachtsmarktbesucher überrollt hat, da geht es wieder los. Das bipolare Deutschland übt sich in Selbstvergewisserung.

Während der scheinbar impulsgestörte und verbal inkontinente Marcus Pretzell nicht an sich halten kann und es zur Un-Zeit einfach laufen lässt,

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scheint die größte Sorge des Lagers von der anderen Straßenseite zu sein, dass der Terror die Leute auf Gedanken bringt, nicht dass wir uns künftig im öffentlichen Raum zunehmend unwohl fühlen werden.

161220_gallertSo genau will man es nicht wissen, wer da hinter dem Steuer saß, weil letztlich nichts mit nichts zusammenhängt und nur hinter der Mauer der Ignoranz das mittlerweile mächtig angebeulte Weltbild eines radikalen Menschenfreundes existieren kann.

Während die bedauernswerte Renate Künast in diesen Stunden öffentlich sichtbar mit einem Fake-Account auf ihrem Namen ringt,

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hat bei den Twitter-Praktikanten in den Pressestellen der Republik noch mal spät am Abend das Telefon geklingelt, damit die Politprominenz ihrer Bestürztheit, ihrer Solidarität mit den Opfern und Angehörigen sowie dem Dank an die Rettungskräfte Ausdruck verleihen kann.

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Wobei ich mich bei diesen Gelegenheiten immer frage, für wen solch ein Tweet abgesetzt wird. Als Opfer oder Angehöriger hätte ich andere Sorgen und als Unbeteiligter schöpfe ich daraus keinerlei Erbauung. Das Schweigen ist doch manchmal die würdevollste Form, das Zeitgeschehen zu kommentieren. Aber die Würde ist ja bekanntlich ein Konjunktiv.

Alles in allem ist das Internet in dieser Nacht wieder sehr böse gewesen.

In Germany we call it Pest oder Cholera

Die Sozialdemokraten ergreifen ohne Not und wie ich finde auch ohne Grund Partei im medial omnipräsenten Präsidentschaftswahlkampf der USA.

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Neidisch mag Sigmar Gabriel auf das faktische Zwei-Parteien-System der USA blicken, denn wenn in Deutschland die Zustände entsprechend wären, hätte er gute Chancen.Trotz alledem.

Schutzquote statt Sichere Herkunftsländer

Bra-vo! Endlich mal normale Leute bei den Grünen! Robert Habeck hat wahrscheinlich Recht, dass das Konstrukt der Sicheren Herkunftsländer im Falle des “Westbalkans” nicht ganz ehrlich ist. Nur weil es Europa ist heißt es noch lange nicht, dass es dort keine Verfolgung gibt. Sein Vorschlag, die Geschwindigkeit der Asyl-Bearbeitungsverfahren and eine Quote wie im Artikel beschrieben zu koppeln, klingt erst mal bestechend. Somit sind mögliche Einzelfälle abgedeckt.

Womit Robert Habeck wahrscheinlich eher nicht konform gehen würde wäre der Vorschlag, den Rechtsanspruch auf die Zulassung zur Prüfung zum Asyl und Flüchtlingsstatus (und zur Bearbeitung) nur dann zu gewähren, solange eine vorhandene Aufnahmekapazität nicht erschöpft ist. Oberhalb dieser Kapazität werden nur noch eingeschränkt Anträge bearbeitet, die engen Kriterien entsprechen wie z.B.

  • besonders Schutzbedürftige (Frauen und Kinder),
  • geographische Nähe der Krisenlandes,
  • Mitverantwortung des Westens für das Krisengeschehen,
  • zeitliche Prognose für die Rückkehr.

Oberhalb wiederum dieser 2. Kapazität wird kein Antrag mehr zugelassen. Diese Kapazitäten müssen im Bedarfsfall gesellschaftlich neu verhandelt werden. Natürlich nicht durch Volksentscheid oder Facebook-Likes sonden ordentlich: durch eine absolute Mehrheit im Bundestag und Bundesrat; idealerweise ohne Fraktionszwang.

Drei gute Gründe, wieder Tiere zu essen

So wie sich der Veganismus dieser Tage aufdrängt, scheint es kein Entkommen zu geben. Nicht ganz: hier sind drei gute Gegenargumente, die jeden mitteilungsfreudigen Veganer auf der nächsten Party zum Schweigen bringen:

Argument Nr 1: Fleischesser verbrauchen Landschaft, da zur Produktion tierischer Kalorien ein Vielfaches pflanzlicher Kalorien eingesetzt wird. Damit tragen sie die Verantwortung für Urwaldvernichtung und Klimawandel.

So wie es von Veganern bei aktuell 7,4 Milliarden Menschen Weltbevölkerung propagiert wird nur noch Pflanzliches zu essen, damit alle Menschen bei vorhandenen Ackerflächen satt werden, was wird von wohl 2050 bei einer prognostizierten Weltbevölkerung von 9,6 Milliarden verlangt werden? Sich nur noch von hochproduktiven Algen aus Aquakulturen zu ernähren, da Ackerbau Platzverschwendung sei? So ist zumindest die Logik hinter diesem Argument.

Mit der gleichen Logik arbeiten übrigens auch die Agrarkonzerne, um ihre genetisch veränderten Pflanzen auf die Äcker zu bringen. “Wenn wir die Weltbevölkerung ernähren wollen, dann müssen wir mehr Ertrag auf der gleichen Fläche produzieren”. So gesehen haben sie wahrscheinlich auch recht.

Das Problem ist nicht die Tierhaltung, sondern dass es zu viele Menschen gibt. Eine dem Ökosystem angepasste Anzahl an Menschen kann sich sehr wohl von Fleisch ernähren, ohne die Natur über ein nachhaltiges Maß zu beanspruchen.

Damit wir die Erkenntnis, dass wir Menschen ein Killervirus für unser Ökosystem sind, nicht ertragen und die notwendigen Schlussfolgerungen daraus zu ziehen brauchen, empfiehlt uns der politische Veganismus den kleinen Tod: uns einer anstrengenden aber letztlich nutzlosen Verzichtsethik zu unterwerfen. Nur aus der Feigheit heraus, den nächsten Schritt konsequent weiter zu denken, nämlich eine aufrichtige Kritik an unserer eigenen Spezies zu üben. Damit belässt er den Menschen im Außenverhältnis zu seiner Umwelt narzisstisch im Zentrum. Die Sonne dreht sich hier wieder einmal um die Erde, über 300 Jahre nach Galilei.

Also: lasst uns weniger werden! Einen größeren Gefallen können wir der Erde nicht tun.

Argument Nr. 2: Fleischlose Ernährung ist gesünder.

Eine vernünftige ausgewogene Ernährung ist ausreichend gesund. Vernünftige und disziplinierte Ernährung in Zeiten des Überflusses – unbedingt. Dafür muss man nicht ganz auf Fleisch verzichten.

Argument Nr. 3: Tiere zu töten, um sie zu essen ist Unrecht.

Das ist weder ein Naturgesetz (ganz im Gegenteil) noch Bestandteil unserer menschlichen Gesetze. Von daher erst mal nur eine persönliche moralische Empfindung. Und das wird sie auch bleiben, so lange wie sie nicht zu einer mehrheitsfähigen Empfindung wird, die dann Eingang in die Gesetzgebung findet. Und ich persönlich finde es ok, Tiere zu töten, um sie zu essen.

Wer Lust und Zeit hat, kann sich den gesammelten Quatsch des Veganismus hier reinziehen. (Dr. med… *lol*)

Deutschland und Einwanderung – Nazienkel proben eine öffentliche Haltung

Wenn es um Einwanderung geht, scheint es in Deutschland nur zwei Meinungen zu geben: entweder man möchte am liebsten alle Flüchtlinge eigenhändig aus dem Mittelmeer ziehen und nach Deutschland bringen oder man ist Rassist. Ein anschauliches Beispiel dafür ist der Kommentar von Maximilian Popp im elektronischen Leitmedium “Spiegel Online”.

Es geht ihm um das zur Abstimmung vorliegende Gesetz zur “Neubestimmung des Bleiberechts und der Aufenthaltsbeendigung” und dessen Begründung unseres Innenminister de Maizière, wonach  Härte gegenüber Neuankömmlingen nötig sei, um “die Zustimmung zur Zuwanderung und der Aufnahme von Schutzbedürftigen in Deutschland zu sichern”. Diese Aussage ist sicherlich nicht mutig, aber für Politiker, die wissen, was man öffentlich sagen kann und was unter dem Regierungsstil von Angela Merkel ein Karriererisiko bedeutet, nämlich eine vom Mainstream abweichende, zu akzentuierte Haltung zu offenbaren, nicht überraschend. Ehrlich wäre vielleicht: “Wir müssen das mit den Flüchtlingen besser regeln, denn so wie es ist können wir nichts mehr vernünftig steuern. Und es gibt immer noch Kriterien für eine Aufnahme, die wir beabsichtigen, einzuhalten.” Das wäre, wenn es die Motivation wäre, aufrichtig.

Das ist aber nicht Popps Problem:

 [..] Sie ist populistisch, denn sie suggeriert, dass die Abschottung Deutschlands von einer Mehrheit der Bundesbürger gewollt ist.[..]

Abschottung im Sinne einer kompletten 0-Aufnahme ist überhaupt nicht das Ziel dieses Gesetzentwurfes. Aber wer dafür ist, ist scheinbar im Sinne des Autoren ein Asyl-/Flüchtlingsgegner.

[..] Dafür aber gibt es keinen Hinweis. Zwar ist die Zahl rassistischer Straftaten im vergangenen Jahr gestiegen. Und das ist erschreckend. Die Stimmung im Land aber hat sich seit den Neunzigerjahren gewandelt. Zehntausende Deutsche engagieren sich ehrenamtlich in Flüchtlingsinitiativen.

Es ist zu bezweifeln, dass eine öffentlich zur Schau gestellte “Ausländerfreundlichkeit” dazu geeignet ist, überhaupt irgendetwas über eine wie auch immer geartete “Stimmung im Land” auszusagen. Sie ist genau wie die rassistischen Straftaten der Maximalausschlag. Hilfreicher für solch eine mutige Behauptung wäre eine repräsentative Umfrage. Aber das wäre ja Journalismus.

Die Frage, ob die Bundesrepublik ein Einwanderungsland sei, ist längst mit Ja beantwortet.

Da hat der Autor eine sehr eigene Definition von “Einwanderungsland”. Was es nicht bedeutet ist, dass jeder frei ist einzuwandern.

De Maizière tut trotzdem so, als wäre die Zustimmung der Deutschen zur Asylpolitik nur durch die pauschale Internierung von Flüchtlingen zu gewährleisten. Und sie ist gefährlich, denn sie kriminalisiert Schutzsuchende. Schon jetzt sehen manche Bürger Flüchtlinge als Eindringlinge und Schmarotzer.

Es wird immer Leute geben, die so etwas denken und sagen, und die für Flüchtlingen noch viel abwertendere Bezeichnungen parat haben. Aber es gibt auch Bürger, die das keinesfalls so sehen, die aber dennoch Wert darauf legen, dass Europa in der Angelegenheit mit den Flüchtlingen handlungsfähig bleibt. Also nicht jeder, der aus dem einem Boot aussteigt, automatisch in Europas Verantwortung übergeht. Und dies setzt auch die Härte Nein zu sagen voraus und Boote wieder über das Mittelmeer zurückfahren zu lassen. Dafür kann man verschiedene Bezeichnungen wählen aber solche Meinungsträger in eine Ecke mit Rassisten zu stellen ist falsch, unaufrichtig und wenn ehrlich gemeint sehr unintelligent. Aber dieses im deutschen Online-Leitmedium zu sagen ist offenbar wohlfeil und gar kein Problem. DAS sagt etwas über eine “Stimmung im Land” aus.

Das geplante Gesetz verstärkt diese Wahrnehmung. Auf diese Weise werden Ressentiments nicht abgebaut, sondern geschürt.

Die Entscheidung bedarf keines Ressentiments als Begründung und schürt daher gar nichts. Sie ist eine Reaktion auf einen Sachverhalt. Zu dem Thema vorauseilender Feigheit hat ja Sibylle Berg schon das ihrige gut und richtig gesagt. Eher ist es so, dass im Kielwasser der richtigen Tat den Randbereichen der Politik die Existenzgrundlage entzogen wird. Nichts ist schlimmer, als mit dieser sehr deutschen Bigotterie zum Themenkomplex Einwanderung/Integration die Krise zu bagatellisieren und zu hoffen, dass schon jemand die Kartoffeln aus dem Feuer holt, wovon man letztlich zwar selbst profitiert, aber über den man sich dann anschließend wie selbstverständlich das Maul zerreißt.

Das Gesetz zum Bleiberecht ist für den Mob geschrieben.

Richtig, für was Besseres hält man sich auch noch. Gratulation.

Für den Weltfrieden eine Völker-Rochade?

Da Juden scheinbar in Frankreich nicht mehr sicher Leben können¹²³, mache ich einen pragmatischen Vorschlag: alle Juden einladen nach Deutschland zu kommen, alle hier ansässigen Muslime, die Juden hassen, machen rüber nach Frankreich. Denn da können sie ja mehr oder weniger behelligt weiter hassen, nur dass sie dann keinen Schaden mehr anrichten können. Den autochtonen Franzosen wird es schon recht sein, denn die scheinen ihre Muslime ohnehin mehr zu lieben als ihre Juden, sonst könnten solche Zustände¹ dort gar nicht erst erwachsen. Und außerdem haben die französischen Juden schon die Koffer gepackt, das macht die Sache unkomplizierter. Ich bin mir sicher, dass zumindest in Deutschland die Idee politisch mehrheitsfähig wäre.

Das sagen die Parteien:

CDU: “Das Judentum gehört zu Deutschand!” (Angela Merkel)

SPD: (Noch keinen erreicht)

FDP: “Naja von uns aus ok. Schließlich macht das den Wirtschaftsstandort Deutschland wettbewerbsfähiger.” (Christian Lindner)

AfD: “Hmmm, puh, naja von uns aus ok. Schließlich macht das den Wirtschaftsstandort Deutschland wettbewerbsfähiger. Aber lassen sie das den Gauland nicht hören!” (H.-O. Henkel)

Grüne: “Ein zynischer Vorschlag, den wir absolut ablehnen! Der Antisemitismus hat doch mit dem Islam nichts zu tun. Ich kenne persönlich viele Muslime, mein Gemüsehändler nebenan z.B., der hat nichts gegen Juden. Ich finde es wichtiger, dass wir lernen, miteinander zu leben und uns gegenseitig zu achten.” (Claudia Roth)

Linke: Keinen erreicht. Gysi hat die Grippe und der Rest sitzt gerade vor Gaza auf einem Schiff fest.

NPD: “Lassen Sie mich in Ruhe, ich muss Koffer packen! Ich reise morgen mit den Kameraden nach Madagaskar, äh, Neu-Germanien.”

Es bleibt aber noch eine Frage offen: wohin fahre ich künftig in den Urlaub?

 

Wie Deutschland auf den Versuch der Auslöschung des Charlie Hebdo reagiert

Es gibt so Gedanken, die kommen und gehen. Manche sind spontan die besten, die müssen sofort raus. Im Politischen ist man besser beraten, sie eine Weile auszuhalten. Wenn sie länger bleiben und Zeit genug verstrichen ist, haben sie an Wert gewonnen und können aufgeschrieben zu werden. Mein aktueller Gedanke, dass es Israel eigentlich ganz sympathisch macht, nach islamistischen Anschlägen erst mal ein paar Lufteinsätze zu fliegen, wird wahrscheinlich morgen schon wieder weg sein. Das Attentat auf Charlie Hebdo lässt einen halt fassungslos und zornig zurück. Das ist wohl verzeihlich. Allein: gegen wen solle man fliegen? Da geht das ja schon mal los.

Während am Tag der neuesten islamistischen Charmeoffensive in Paris die deutsche Öffentlichkeit noch die Füße angenehm still gehalten hat, laufen schon einen Tag später die sozialen und richtigen Medien über mit Haltungen zu dem Vorfall. Da ich mich überwiegend im linksliberalen Bildungsbürgermilieu bewege, kommen mir hauptsächlich Meldungen eben jener Provenienz auf den Bildschirm. Da dürfen natürlich im gleichen Atemzug mit der Verurteilung und der Solidaritätsbekundung mahnende, fast schon hysterische Belehrungen an Pegida, AfD und Co nicht fehlen. Nämlich dass es keinen Anlass gäbe, es sogar höchst unmoralisch wäre, aus diesem traurigen Vorfall sein politisches Süppchen zu kochen. Dabei fällt jenen in ihrer vermeintlich überlegenen Haltung gar nicht auf, dass sie sich gerade moralisch-erpresserisch am Suppekochen beteiligen. Ein bloßes “Je suis Charlie” und weiter Schnabelhalten hätte ausgereicht. Aber ohne Selbstreferenzierung, egal wo etwas auf der Welt passiert, geht es in Deutschland scheinbar nicht.

Zudem, wenn man sich jetzt ohne Vorkenntnisse auf den Medienseiten umtäte, man den Eindruck gewinnen könne, jemand hätte eine Moschee gesprengt, so dringlich wird um die friedliche Koexistenz ¹ ² geworben. Das ist absurd, denn stattdessen haben nach derzeitigem Stand drei Islamisten der 2. Einwanderergeneration ihrer Vorstellung von Pressefreiheit in einer liberalen mitteleuropäischen Demokratie, welche ihren Volksbegriff anders als die BRD immer schon von der Verfassung und nicht von einem rassistischen Herkunftsbegriff ableitet, Nachdruck verliehen, indem sie in die Redakteure einer unliebigen Zeitung sowie in zwei Polizisten große Löcher machten. Erst mal sind es doch jene, welche nicht koexistieren wollen. Und von Zuständen in Deutschland, welche einer Reichskristallnacht gegen Muslime nahekommen, kann überhaupt nicht die Rede sein. Auch nicht in Dresden. Also was soll der Unfug? Aber so ist das manchmal. Je mehr der Glauben bröckelt, desto schriller werden die Versuche der Selbstvergewisserung. Ich möchte mich daran nicht beteiligen. Ich warte erst mal ab.

Als 2005/2006 die Sache mit den Mohammed-Karikaturen schlimm war, gingen insbesondere in muslimischen Ländern (mehr oder weniger) spontan die Leute auf die Straße und schrien Zeter und Mordio. Es kamen sogar Menschen ums Leben. Dabei hätte man nur in z.B. Indonesien den Jyllands-Posten nicht kaufen brauchen, was in Indonesien nicht so schwer ist, da es den vermutlich auch nicht am Bahnhofskiosk in Jakarta gibt, und man wäre von Karikaturen verschont geblieben. Nun aber wurden vor zwei Tagen zwölf Menschen im Namen des Propheten ermordet mit dem Ziel, die Pressefreiheit in der Westlichen Welt durch Angst vor der unmittelbaren physischen Bedrohung faktisch abzuschaffen, was ausgerechnet in den USA und England schon Erfolg hatte. Wenn es auch Muslime gibt, die ein Interesse an einem Leben unter Westlichen Werten haben, so wäre das jetzt die beste Gelegenheit für spontane europaweite “Not in my name!”- Demonstrationen, auf denen fahrradbehelmte Studienräte in Funktionsjacken freundlich aber bestimmt aus den Reihen verwiesen werden: “Sorry, Freund, aber das ist unsere Angelegenheit. Die regeln wir selber.” Ich persönlich würde mich sehr darüber freuen. Stattdessen ist es ziemlich ruhig auf den Straßen. Schade.

Update:

Bei aller Schelte ausnahmsweise ein guter TAZ-Kommentar. Danke Deniz Yücel.

 

CSU ist bärendienstlich unterwegs

Gerade in einem gesellschaftlichen Klima, in dem das Bekenntnis zu einer differenzierten Meinung zu Einwanderung und Integration und wie sie zu gestalten sei, ja dass besonders erstere überhaupt aktiv gestaltet zu wünschen sei, gerne schnell mit dem Vorwurf der Unmenschlichkeit, ja dem Rassismus quittiert wird, fände ich es umso hilfreicher, wenn ernst gemeinte Anliegen, die sich an einer unideologischen Pragmatik orientieren, derart durchdacht formuliert sind, dass sie als Diskussionsgrundlage dienen könnten.

Die CSU hat in einem Leitantrag für den kommenden Parteitag mit der Formulierung “Wer dauerhaft hier leben will, soll dazu angehalten werden, im öffentlichen Raum und in der Familie deutsch zu sprechen” nicht geholfen. So richtig wie es ist, der Gemeinsprache den höchsten Stellenwert als Integrationskatalysator, ja -bedingung beizumessen, so ist der Übergriff ins Private so grenzenlos dumm wie man es von einer Volkspartei, wenn auch aus Bayern, eigentlich nicht erwartet hätte. Die Regierung geht es nach wie vor immer noch nichts an, was zu Hause vor sich geht. Daran kann auch die CSU nichts ändern und das sollte sie eigentlich wissen.

Und wie kann man sich “angehalten werden” konkret vorstellen? Nun, ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sich gerade in Deutschland in jedem Wohnblock ein Ausländerwart finden ließe, der Patrouille geht, heimlich an den Türen lauscht und gewissenhaft seine Notiz in die Akte macht, ob bei Yüksel und Fatima auch ordentlich deutsch gesprochen wird. Dieser Volkssport ist hüben wie drüben noch nicht so lange aus der Mode, als dass es praktisch nicht umzusetzen wäre. Nein danke.

Natürlich und zu Recht zieht dieser gedankliche Irrlauf den Spott der Republik auf sich. Dass Parteigänger von grün bis rot diesen genüsslich kommentieren dürfen, ist für diese ein Glück, ein unvorhergesehenes Türchen im Adventskalender. Aber die Häme ist unberechtigt, denn die wichtigen Fragen von Zuwanderung und Integration werden auch von jenen nicht hinreichend beantwortet. Für die Anhänger einer linken Ideologie von der Stange ist Einwanderung meist ausschließlich Bereicherung und wer dieses wagt zu bestreiten, der ist bestenfalls kleinkariert, wenige Eskalationsstufen weiter ein Nazi.

Doch bevor der Weltfrieden nicht erreicht und der Hunger der Armen nicht gestillt ist, so lange wird es mehr Menschen geben, die rein wollen, als es Ressourcen gäbe, diese so aufzunehmen, dass es am Ende für alle ein Gewinn wäre. Und hier betone ich, was auch gesagt werden muss: dass es für uns (die Leute die drin sind) ein Gewinn wäre. Letztlich geht es darum, ein Maß zu definieren. Anzahl und Qualität. So wie es Länder tun, die schon seit jeher Erfahrung mit Einwanderung haben, wie die USA oder Kanada. Nicht der ist automatisch drin, der es mit dem Boot über das Mittelmeer schafft, sondern wer die Kriterien erfüllt, die Anlass zur Hoffnung auf eine erfolgreiche Integration geben. Zumindest wenn es um den Erhalt der “Deutschland-Card” geht. Politischen Flüchlingen Asyl zu geben ist ein anderes Thema.

Einen gesellschaftlichen Dialog über diese Kriterien mutig zu initiieren, das sollte die Aufgabe der Politik sein. Nicht den Leuten in die Wohnstuben zu kriechen. Aber die CSU zieht es anstatt dessen offenbar vor, den Arsch offen zu haben.

Fußball-SA schießt Eigentor

Wie jeder weiß wohnt in der Demokratie leider der Geburtsfehler inne, gesellschaftliche Strömungen schützen zu wollen, die, wenn sie das Sagen hätten, weit weniger liberal mit denen umspringen würden, die das eigene Emporkommen ermöglichten. Nazis seit jeher und Vertreter des politischen Islams sind derzeit besonders prominente Beispiele dafür. Daher löste bei mir die Ankündigung, dass “Pro NRW” mit Hooligans im Oktober 2014 den Schulterschluss vollziehen und gemeinsam gegen sog. Salafisten agieren wollte, lediglich Achselzucken aus. Nützlicher könnten sich beide Gruppen gar nicht machen, als sich, salopp formuliert, gegensitig auf die Fresse zu geben.

Was dann aber in Köln folgte, nämlich eine rechte Demonstration, war, was man so liest, eine herbe Enttäuschung. Zum Showdown mit irgendwelchen “Salafisten” kam es wohl nicht. Stattdessen wurde gesoffen, gepöbelt, sich mit Polizisten geprügelt und eine Wanne umgeschmissen. Dabei mindestens 13 verletzte Polizisten. Hurra! Dass “Pro NRW” nun Mühe hat, den Geist den sie rief, wieder zurück in die Flasche zu bekommen, glaube ich gerne.

Während Islamisten hierzulande schlau im Verborgenen rühren, um ihre Ziele zu verfolgen, entpuppt sich die rechte Querfront als plumpes One-Trick-Pony. Anstatt etwas, was auch immer, gegen die “Salafisten” zu erreichen, können die Hooligans nur das, was sie eh schon immer am besten konnten: raufen, saufen, maulaufreißen. Und das besonders gern vor Publikum und besonders gut gegen die bemitleidenswerte weil pflichtanwesende Rennleitung. Was das bringen soll, auch wenn in der Presse schon hilf- wie ideenlos ein Propagandaerfolg herbeigeredet wurde, soll mir mal einer erklären.

Es bestätigt sich nun, was man eh schon wusste: Nazis sind dumm. Was für ein Glück für die “Salafisten”.